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Pater Willi Heck feierte Ostern goldenes Priesterjubiläum

"Katholische Priester kannste vergessen. Die sind völlig unnahbar in ihrer Art – und überflüssig!" Das bekam
Pfarrer Dr. Gerhard Best kürzlich bei einem Seminare von einem jungen Mann zu hören. Ein anderer Teilnehmer beschrieb den katholischen Priester von heute als "besseren Sozialarbeiter". Sendung, Weihe und Amt, das sei eben nicht alles, unterstrich der Pfarrer am Ostermontag beim Freiluft-Gottesdienst vor dem Heinrich-Lübke-Haus. "Wer meint, das Amt sei alles – da kann's nur schiefgehen", so Dr. Best weiter. "Ebenso, wenn man meint, alles hinge von einem selber ab." Damit Gott "landen" könne, da brauche er Menschen mit Bodenhaftung, Menschen die zuhören, Fragen und Probleme aushalten können, Stütze und Ratgeber sein können, mit der Gabe, Weg und Leben im Sinne Gottes deuten zu können.
 
Man habe Glück gehabt im Pastoralverbund, so wandte sich der Pfarrer an Pater Willi Heck, der im ganz
großen Kreis sein goldenes Priesterjubiläum offiziell feierte: Mit Pater Willi sei vor 10 Jahren nicht nur für die Menschen im Heinrich-Lübke-Haus ein Priester "vom Himmel gefallen". Einer, der zuhören könne, einer der nicht "Hochwürden", sondern eben ganz zupackend und menschlich sei. "Wenn Pater Willi hinterm Altar in die Luft springt, dann nimmt man ihm das ab", so Gerhard Best weiter: Flotte, fröhliche Melodien zum Mitsingen und Mitklatschen bewegen die Gemeinde regelmäßig, wenn Pater Willi Gottesdienst feiert. Pfarrer Best: "Es ist eben schön, wenn ein Rheinländer aus Pützchen hierher kommt und uns zeigt, dass vieles eben auch anders geht." Und noch eines unterstrich der Pfarrer: Nirgends sei Pater Willi, der Wanderprediger und Volksmissionar im Auftrag der Redemptoristen, so lange an einem Fleck geblieben: "Danke, dass Du an die Möhne gekommen bist, mit Deinen Gaben, die Dir Gott geschenkt hat!"
 
"Nun - bin ich vom Himmel gefallen?" witzelte der Jubilar, fast 78 Jahre alt und eigentlich schon im Ruhestand:
"Na, ich habe mich aber wieder erholt." Fröhliches Lachen in der großen Runde zeigte: Dieser Gottesdienst war in der Tat etwas außergewöhnliches. Unter freiem Himmel, begleitet von strahlendem Sonnenschein, da war Kirche Volksfest, ganz jenseits von den starren Regeln, die die Liturgie vorschreibt. – "So ist Kirche auch: Kirche ist Volk", so kommentierte das Schwester Maria Gonzagis später auf dem Nachhauseweg.
So groß war der Andrang bei der Feier, dass es knapp wurde bei der Kommunion: Aus der Pfarrkirche in Günne mussten weitere geweihte Hostien geholt werden, die nach dem Gottesdienst ausgeteilt wurden. "Es sind doppelt so viele Menschen gekommen, wie erwartet", bestätigten auch die Mitarbeiter im Heinrich-Lübke-Haus, die während der Messe im Akkord weitere Gläser und Geschirr für den späteren Empfang bereitstellten.


Einen persönlichen Wunsch wolle man dem Jubilar erfüllen, verriet Pfarrer Gerhard Best in seiner Ansprache: Für die Messfeiern im Heinrich-Lübke-Haus wird es einen schönen Osterleuchter geben, der bei den Gebrüdern Winkelmann jetzt in Auftrag gegeben werde.
 
Gemeinsam mit Pater Willi feierten auch weitere Mitglieder des Seelsorgeteams im Pastoralverbund. Eigens aus Sumba, der indonesischen Insel, auf der Pater Willi acht Jahre lang seinen Dienst versah, war mit Pater Willi Wegener ein Jugendfreund und langjähriger Wegbegleiter angereist. Weitere Vertreter des Redemptoristen-Ordens, die in Brüningsen mit feierten, waren Pater Cyrillus Binsasi, der Missionsprokurator aus Bonn sowie die Patres Döring und Stürmer.
 
Die Kirchenband "Connect" lieferte den musikalischen Rahmen für das fröhliche Fest, das in allerbester Weise
Generationen verband, im Andenken an das Osterwunder und im deutlichen Dank für einen Rheinländer, der für die Menschen an der Möhne "vom Himmel fiel" und die Herzen im Sturm eroberte. Nicht für sich, wie er schon vor dem Festgottesdienst im Gespräch mit dem Anzeiger betonte, sondern für seinen allerbesten Freund: Jesus – dem er immer nacheifern wollte, mit offenen Armen für die Menschen. Der Applaus, der am Ostermontag während des Gottesdienstes immer wieder aufbrandete, zeigte: Das ist gelungen. Die Menschen sagten: "Danke, Pater Willi!" . brü
 
 




"Mein Vater war technischer Werkmeister bei der Post und brauchte deshalb nicht in den Krieg", erzählt Pater
Pater Willi Heck CSsR
Willi. "Meine Mutter", sagt er und fügt mit einem Aufblitzen liebevoller Erinnerungen in den strahlenden Augen hinzu: "Meine Mutter war meine Mutter – sonst nichts. Hatte nichts gelernt – aber eine tolle Frau. Und kochen konnte sie... Und nähen. Naja, sie war, wie alle Frauen zu ihrer Zeit eben der – Innenminister. Viel vom lieben Gott hat sie mir erzählt. Als mein Vater mich fragte, ob ich Lust habe, Priester zu werden, war ich sieben. Ich habe sofort 'Ja!' gesagt. Für meine Zeit war das absolut nichts Ungewöhnliches." 1946 ging Willi Heck ins Internat des Redemptoristen-Ordens, dem er bis heute treu geblieben ist. Gut - genau genommen hat "die Firma", wie Pater Willi gerne witzelt, ihn schweren Herzens frei gegeben, damit er für die Menschen am Möhnesee da sein kann.
 
In seinem Wohnzimmer im Heinrich-Lübke Haus lässt Pater Willi Heck seinen Erinnerungen freien Lauf. Die Sonne strahlt an diesem herrlich schönen Frühlingstag. Wenn Pater Willi aufsteht, hat er nur wenige Schritte bis zum Balkon und einem herrlichen Blick auf den weitläufigen Garten. Da räkelt sich gerade ein fettes Schweinchen in der Mittagssonne. "Was für eine faule Sau", grinst Willi Heck belustigt. Schäfchen haben sich für den Mittagsschlaf einen Liegeplatz unter einem Holzwagen gemütlich gemacht. Nein, Peter Lustig wohnt hier nicht, aber es ist so idyllisch wie bei ihm zuhause. Weit schweift der Blick übers Grün und den See - in der Ferne kreuzt die MS Möhnesee vor der Körbecker Fußgängerbrücke. "Meine Güte, so schön habe ich noch nie gewohnt", sagt Pater Willi mit einem zufriedenen Seufzer.
 
78 Jahre ist er jetzt. Er wirkt viel jünger, hat sich viel von seiner jugendlichen Unbeschwertheit bewahrt, die aus
den Erzählungen über seine Kindheit herausklingt: 1933 zwei Tage vor der in seiner rheinischen Heimat berühmten Kirmes wurde Willi Heck geboren. "Pützchen sagte man damals noch zu unserem Ort - heute ist das Bonn", erzählt Pater Willi. Eine jüngere und eine ältere Schwester hat er,
beide leben noch – die eine als Grundschulrektorin, die andere als Schulsekretärin im Ruhestand – und beide freuen sich mit ihm auf seinen nächsten Freudentag:
 
beide leben noch und beide freuen sich mit ihm seinen nächsten Freudentag: Vor drei Jahren feierte Pater Willi seinen 75 Geburtstag. Am Ostermontag lud Pater Willi ein, sein goldenes Priesterjubiläum mit ihm zusammen zu feiern. Um 10.30 Uhr begann die Messe auf der Wiese vor dem Heinrich-Lübke-Haus. Das wurde Willi Heck im Dezember 2000 zur neuen Heimat. Im "Un-Ruhestand", denn im Pastoralverbund am Möhnesee ist Pater Willi mit seiner rheinischen Frohnatur beliebte und wertvolle Stütze im Seelsorgerteam. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, Firm- und Kommunionvorbereitungen sind sein Schwerpunkt.
 
Wie früher seine Mutter, so erzählt Pater Willi den Menschen vom lieben Gott. Nach seinem Eintritt in den Redemptoristen-Orden auf Sumba in Indonesien, nach seiner Rückkehr nach Deutschland in der Gemeindemission des Ordens. Seine herzerfrischend direkte Art spricht an: "Wo einer gut zu Dir ist, da kannst Du annehmen, dass er in diesem Menschen wirkt", sagt Pater Willi über seinen allerbesten Freund: Jesus ist Pater Willi wichtig. "Ich weiß ganz fest, dass er offene Arme hat. Für jeden", sagt Pater Willi und zeigt stolz und voll liebevoller Erinnerungen auf die Jesusfigur mit ihren ausgebreiteten Armen, die einladen und eine ganze Welt umarmen möchten. Seine Freunde auf Sumba haben Pater Willi das Kruzifix geschenkt.
 
Die Erinnerungen von Pater Willi könnten Bücher füllen, und sicher wird er allen, die am Ostermontag mit ihm zusammen das Goldene Priesterjubiläum feiern wollen, auch auf der grünen Wiese und später im Heinrich-Lübke-Haus noch vieles aus seinem bewegten und bewegenden Leben erzählen. Und davon, dass er nie "Hochwürden" war und sein wollte: "Ich muss Mensch bleiben, ich muss unter die Menschen gehen und meine Arme ausbreiten – so wie Jesus es tut", sagt Willi Heck und zeigt wieder mit blitzblank strahlenden Augen auf seinen hölzernen Freund aus Sumba. . brü
 Fotos: Humpert und Brüggestraße, Text: Brüggestraße

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