Gebete und Impulse
aus dem Pastoralen Raum Soest

 

 

 

In vielen Kirchen ist es Brauch, dass Menschen in einem Gebetsanliegen eine Kerze anzünden.

Diese Möglichkeit geben wir Ihnen auch auf der Homepage der Abtei Königsmünster. Die Mönche nehmen Ihr Anliegen dann mit in ihr Gebet!

Hier klicken und eine virtuelle Kerze entzünden!

 

 

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  #Tragseil

    Glaube verbindet / Kirche trägt / Gott hält -
   
Gedanken zum Durchhalten, Aufatmen, Hoffnung behalten

       Bild: pixabay

 

Liebe Menschen im Pastoralen Raum Soest,
wir führen die Reihe der #Tragseil-Impulse weiter und stellen hier jeweils zur Wochenmitte und am Sonntag einen neuen Impuls online. Diese Impulse sollen Ihnen während der Coronakrise, Hilfestellung und Ermutigung sein. Einige Seelsorger/innen aus dem Pastoralen Team werden ihre individuellen Gedanken in dieser so herausfordernden Zeit mit Ihnen teilen. Sollten Sie zu den Texten Gesprächsbedarf haben, freuen wir uns über Ihre Kontaktaufnahme, die jeweiligen Daten dazu finden Sie unter jedem einzelnen Denkanstoß.

Wir sind für Sie da!
Ihre Impulsgeber / Impulsgeberinnen

 

08.07.2020: # Ich bin da, wo du bist (Ex 3,4) 

Mit Gottes Zusage und einem biblischen Perspektivwechsel durch eine Sommerwoche!

 

2020 07 08 ich bin da

(Foto: Pixabay)

Vor einigen Tagen war ich in Telgte unterwegs. Auf meinem Weg kam ich an einer riesigen, weißen Plakatwand vorbeikam. Auf dieser stand nur ein Satz! Gottes Zusage: ICH BIN DA, wo du bist! (Ex 3,4) Unmittelbar sprang er mir ins Auge und ins Herz. Ließ mich abrupt anhalten. Ganz ohne Auftrag stoppten meine Füße, der Kopf hob sich und ich wurde inmitten des geschäftigen Treibens ganz still. Wow! Was für eine mutmachende, tragfähige, göttliche Zusage und ich hatte sie in den letzten Wochen vor lauter Geschäftigkeit fast vergessen.

Alltagswolken, Alltagsaufgaben und Gewohnheiten hatten sich zwischen diese göttliche Zusage und mich geschoben, wie die Regenwolken vor die Sommersonne. Na, das könnte doch mal ein spiritueller Leitgedanke für mindestens eine Sommerwoche sein, dachte ich. Gott und seiner Zusage neu auf die Spur kommen - mitten im Alltag. Denn so wie die Sonne sich in diesem Tagen eher hinter den Wolken verbirgt und trotzdem da ist, so spüre ich, geht es mir im Alltag auch oft mit Gott. Kennen Sie das auch?

Damit ist jetzt Schluss, dachte ich bei mir und die Idee meiner `persönlichen, spirituellen Sommerwoche` war geboren. Während meiner Rückfahrt kamen mir mit jedem Kilometer mehr und mehr Impulse dazu in den Sinn. Ja, jedem Tag eine eigene Färbung und Prägung geben. Und dann verspürte ich noch den Impuls, dass ich Sie gerne mitnehmen würde. Vielleicht haben Sie ja Freude mitzumachen bei der Aktion: Mit Gottes Zusage und einem biblischem Perspektivwechsel durch eine Sommerwoche.

Neben der Zusage Gottes habe ich jedem Tag eine Textzeile aus dem Tagesevangelium nach Matthäus (zu Beginn ist es die Tageslesung von Hosea) zugeordnet und versuche mit diesem Wort durch den Tag zu gehen. Zugegeben. Neu ist die Methode nicht. Aber sie fordert trotzdem immer noch heraus. Biblischer Perspektivwechsel mitten im Alltag bedeutet ja achtsam sein, hinzuhören und hinzuspüren, wo eingetretene Gedankenmuster und Gewohnheitspfade mich hindern, mir die Sicht versperren. Und wo ich ermutigt und gestärkt durch Gottes Zusage den Perspektivwechsel wagen kann und will. Der Auftakt am heutigen Mittwoch legt ja direkt gut los. Neuland unter `meinen Pflug` nehmen, das soll ich wagen. Na dann!

Mal schauen, wo die einzelnen Tage und Gottes Zusage und Worte mich hinführen. Also heißt es ab heute: morgens den Impulsgedanken lesen. an zwei, drei Stellen sichtbar anbringen (damit er im Alltag nicht direkt wieder verloren geht). abends die Rückschau. Kleines Sommerabenteuer, egal wie das Wetter ist und egal an welchem Ort ich gerade bin. Sind Sie dabei? Ich würde mich freuen. Hier kommen nun die biblischen Perspektivwechselimpulse. Ausdrucken, ausschneiden, gut sichtbar an Alltagsgegenständen (wie Kühlschrank, Spiegel, etc.) anheften und los geht’s.

Mittwoch, der 08.07.2020
Ich bin da, wo du bist! Wage es und nimm Neuland unter den Pflug!

Donnerstag, den 09.07.2020
Ich bin da, wo du bist! Also geh und verkünde mit leichtem Gepäck und ohne unnötigen Ballast!!!

Freitag, den 10.07.2020
Ich bin da, wo du bist. Deshalb vertraue! Dir wird eingegeben was du sagen sollst. Die hl. ruach spricht durch dich.

Samstag, den 11.07.2020
Ich bin da, wo du bist, wenn du nach Erkenntnis rufst oder um Einsicht bittest.

Sonntag, den 12.07.2020
Ich bin da, wo du bist. Lausche nach Innen. Höre das Wort, dass in dir und durch dich reiche Frucht bringen will.

Montag, den 13.07.2020
Ich bin da, wo du bist. Sei achtsam, wen du heute aufnimmst. Es könnte sein, dass ICH ES BIN.

Dienstag, den 14.07.2020
Ich bin da, wo du bist. Deshalb bewahre die Ruhe und sei ohne Furcht.

Schreiben Sie mir doch gerne, ob der ein oder andere biblische Perspektivwechsel auch in Ihrer Sommerwoche geschehen ist. Ich würde mich wirklich sehr freuen, von Ihnen zu hören.

In herzlicher Verbundenheit und bleiben Sie gesund und behütet.

MNeuhausIhre Martina Neuhaus, Gemeindereferentin
Zu erreichen über Mail: martina.neuhaus@pr-soest.de
oder Tel. 02921 6710676

 

 

 

 

© 2020 Pastoralverbund Soest

 

01.07.2020: # Was heißt eigentlich: ALT-SEIN? 

 

alt sein

 

Liebe Schwestern und Brüder, in diesen Tagen werden unsere älteren Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln angeschaut. Ende Mai erschien ein Artikel in unserer Tageszeitung mit dem Titel: "Greiser Griesgram- miese Laune oder Depression? Stimmungsschwankungen im Alter“; bereits einen Tag später ein Artikel: „Alt ist nicht gleich alt“ Und am Tag nach Pfingsten, die Meldung, dass der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, warnt, dass „Isolation und Einsamkeit tägliche Begleiter sind. Zwar könne niemand ignorieren, dass das Virus für Heimbewohner hochgefährlich sei, aber die Einrichtungen zu Hoch-sicherheitszonen auszubauen, darf nicht die Antwort darauf sein!“

 

Papst Franziskus hat seinen ganz eigenen Blick auf unsere alt gewordenen Mitbürgerinnen und Mitbürger – für ihn sind sie ein Schatz! Nicht immer sei das Alter negativ: „Für viele ist es auch der Anfang einer langen Phase des geistig-körperlichen Wohlergehens.“ Wichtig sei es jedenfalls, „dieser Lebensphase einen Sinn zu geben“.
Franziskus bemerkt: „Im 21. Jahrhundert gibt es mehr alte Menschen, als in jedem Jahrhundert zuvor. Und nicht immer ist das Alter negativ: Für viele ist es auch der Anfang einer langen Phase des geistigen und körperlichen Wohlergehens. Wichtig ist, dass man dieser Lebensphase einen Sinn gibt!“ Darum solle die Kirche dazu beitragen, dass die Würde und der Wert alter Menschen auch in unseren heutigen Gesellschaften zum Tragen kommen. „Wir müssen unsere seelsorglichen Gewohnheiten ändern, damit wir eine gute Antwort finden, auf die Präsenz vieler alter Menschen in den Familien und Gemeinschaften.“ Denn: Das Alter sei auch die Zeit, sich auf die endgültige Heimkehr zu Gott vorzubereiten. „Gleichzeitig ist es eine Zeit neuer Fruchtbarkeit“: denn auch alte und schwache Menschen könnten zum Werkzeug in der Heilsgeschichte werden, wie das Beispiel von Abraham oder der Eltern Johannes des Täufers zeige. Darüber hinaus, so der Papst: „In den entschristlichen Gesellschaften vieler Länder fehle Eltern oft das religiöse Wissen und die Glaubenspraxis.“ Pastoralkonzepte müssten daher die Alten als feste und vitale Bestandteile integrieren – denn: „Senioren sind nicht nur Adressaten seelsorglicher Zuwendung, sondern können ihrerseits Akteure einer missionarischen Pastoral sein. Die Gesellschaft muss lernen, den Wert des Alters zu schätzen – das gleiche gilt aber auch für die Kirche!“

Mit dieser Ansicht kommt der Papst vielleicht unserem Bild von der alten Weide wohl sehr viel näher und beschreibt auch einen Ausweg aus der Haltung, unsere älteren Mitbürger, nur zu Weiden werden zu lassen, die keine Kraft mehr zum Wachsen der Zweige und Blätter haben und deshalb, beschnitten aus Landschaftspflegegründen, zu reinen Schutz-Objekten gemacht werden…Doch die Frage ist ja erlaubt: wollen sie eigentlich so gesehen werden? Ein alt gewordener Mensch mit über 80 gab mir in diesen Tagen sehr zu denken, als er mich auf folgendes aufmerksam machte: „Hilft uns nicht vielmehr ein anderer Blick – hilft eine andere Betrachtung unseres Bildes?“
Die Weiden öffnen in dieser Jahreszeit ihren Stamm: im Baumstumpf entsteht ein einladender Raum für Blüten und Pilze. Man hört ihn fast sagen. "Nehmt was ihr braucht", -oder "Wenn du es willst, bin ich für dich da, mit meiner Kraft und Zuversicht, die ich aus einem langen Leben schöpfe, in dem ich viel gesehen, viel erlebt, viel durchlebt und auch durchlitten habe"…
Weiden bilden Höhlen im Stamm, wachsen nach innen – eine Höhle, in die Licht fällt und kleinblütrigen Pflanzen und Pilzen und auch kleinen Tieren Schutz bieten und Nahrung
Und geschieht mit dem Altwerden nicht Ähnliches: das Altwerden, das unsere „Alten“ selbst oftmals ganz anders empfinden, als es von außen betrachtet wird: Ausgeklinkt; stillgelegt mittels vorgeschriebener Altersgrenzen und dadurch verkümmernde Kräfte und Fähigkeiten – Fähigkeiten, die sich vielleicht erst spät zeigen?
Vielleicht ist ein Blick auf unsere älter gewordenen Schwestern und Brüder auch so erlaubt: in unserem Umgang miteinander könnte durch so manches Erinnern ungewohnt Neues entstehen…

Lange haben wir in einer Arbeitsgruppe im Pastoralteam überlegt, wie wir unter Corona Bedingungen für unsere altgewordenen Mitmenschen etwas tun können. Irgendwann hatten wir dann eine Idee und sind auf die Einrichtungen zugegangen. Vor einigen Tagen konnten wir dann endlich mit unserer Aktion: Poesie und Segen am offenen Fenster in fast 100% unserer immerhin 19 Seniorenheimen innerhalb unseres Pastoralen Raumes starten und werden auch unser Hospiz besuchen. Als Team aus Haupt- und Ehrenamtlichen sind wir seither unterwegs, um den Senioren und den Mitarbeiter/innen eine Freude zu machen. Viele der Adressaten waren in der Lage, noch ganze Gedichte oder Passagen auswendig mitzusprechen – mitgesungen haben sie bei jedem einzelnen Lied, das wir aussuchten – und den Segen zum Schluss haben sich alle gerne erteilen lassen. Und auch wir Akteure sind sehr reich beschenkt von jedem einzelnen Besuch zurückgekehrt.
Hat das Bild der Weide und die dazugehörige Beschreibung also doch recht? Und wir müssen noch mal neu hinsehen und hindenken, auch im seelsorglichen Tun in unseren Gemeinden, weil wir es mit einem „Schatz“ zu tun haben und helfen können, „dieser Lebensphase einen Sinn zu geben und davon zu lernen“?

UvanRaaySehr nachdenklich geworden – und Sie in Verbundenheit grüßend

bleibe ich Ihr Pfr. Uwe van Raay
uwe.vanraay@pr-soest.de

 

 

 

 

© 2020 Pastoralverbund Soest

 

10.06.05.2020: # Sommersonnenwende

https://pr-soest.de/images/Pastoralverbund/Impuls/2020-06-23-Sonnenwende.jpg(Bild von Howard Walsh auf Pixabay)

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

auf der Nordhalbkugel der Erde – also unter anderem in Deutschland und im restlichen Europa – war der kalendarische Sommeranfang am 20. Juni 2020 um 23:43 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit.

Dies ist der Zeitpunkt der Sommersonnenwende. Die Sonne steht dann über dem nördlichen Wendekreis.

Anders ausgedrückt: Wir durften uns über den längsten Tag des Jahres oder die kürzeste Nacht – je nachdem aus welcher Perspektive betrachtet wird – freuen.

Für viele Menschen hat dieser Tag etwas ganz Besonderes, ja sogar Mystisches an sich. So kommen beispielweise im englischen Stonehenge am weltberühmten Steinkreis Hunderte zusammen, um gemeinsam zu feiern, zu tanzen, zu beten, zu meditieren … und somit Teil des faszinierenden Augenblickes zu sein.
Was ist es, was die Leute anzieht?

Neben esoterischen Beweggründen, die besagen, dass von diesem Datum und Ort eine kraftspendende Wirkung ausgeht, könnte eine Interpretation sein: Der Tag berührt die Mitte und Wendepunkte der eigenen Biografie, sei es bewusst oder unbewusst. Diese Zeiten des Lebens haben es in sich, sie irritieren und werfen Fragen auf wie beispielsweise „Was war bis hierher? Was habe ich noch vor? Wohin will ich gehen, was ist mein Ziel, wenn ich mir ins Gedächtnis rufe, wie begrenzt mein Leben ist?“. Zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr führen diese exis¬ten¬zi¬ellen Fragestellungen nicht selten zur „Midlife-Crisis“ oder auf Deutsch zur „Lebensmittekrise“. Aber nicht nur Frauen und Männer in den mittleren Jahren durchleben solche Turbulenzen. Einschneidende Ereignisse – die sogenannten Wendepunkte des irdischen Daseins – wie der Tod eines nahestehenden Menschen, Trennung oder Scheidung, der Verlust des Arbeitsplatzes, Krankheit oder Unfall – können in jedem Lebensalter aus der Bahn werfen.

An dieser Stelle möchte ich die göttliche Perspektive ins Spiel bringen. Neben den therapeutischen Hilfestellungen oder angebotenen Coachings zur Bewältigung der Situationen ist sie eine zusätzliche, für mich befreiende, Botschaft. Macht sie doch Mut und gibt Zuversicht, wenn Gott uns immer wieder aufs Neue sagt:
„Ich lasse dich nicht fallen und verlasse dich nicht. […] Siehe, ich habe dir geboten, dass du getrost und unverzagt seist. Sei also ohne Furcht und Angst, denn der Herr, dein Gott, ist mit dir überall, wohin du auch gehst“ (Josua 1,6 und 1, 9).

Ich wünsche Ihnen von Herzen, dass die Sommersonnenwenden Ihres Lebens im göttlichen Licht erscheinen mögen.

Ute-Paschedag.jpgIhre Ute Paschedag
Gemeindeassistentin im Pastoralen Raum Soest

Zu erreichen unter: Telefon 02921/6710672 oder eMail ute.paschedag@pr-soest.de

 

 

17.06.05.2020: # Schuhe sind Rudeltiere...

Schuhe

 

 

 

 

 Schuhe sind Rudeltiere

 

 (C) privat

 

Während einer Sitzung entdeckte ich eine Postkarte, die meine Aufmerksamkeit erregte. Immer wieder schaute ich auf die Karte und las den Spruch: „Schuhe sind Rudeltiere“. Und dann dachte ich an all die unterschiedlichen Schuhe, die es so gibt: Die schicken High heels, in denen „frau“ stolziert. Oder die Wanderschuhe, die uns helfen, ausdauernd eine Wegstrecke zu meistern. Oder die ausgetretenen Latschen, die so bequem sind, dass man sie kaum noch spürt. Oder die Pantoffeln, die nur „indoor“ getragen werden, in einem begrenzten Raum. Oder die Regenstiefel, mit denen es Spaß macht, auch mal durch eine Pfütze zu springen. Oder die Sicherheitsschuhe, die vor Unfällen schützen. Oder die Ballerinas, mit denen wir durch den Raum schweben. Oder die Taucherflossen, die uns in anderem Terrain Antrieb geben, und und und… Es gibt so viele unterschiedliche Schuhe.

Mit welchem Typ „Schuh“ sind sie eigentlich unterwegs? Warum ich das frage? Wir Menschen sind doch auch sehr unterschiedlich. Und wie es bei den Schuhen sehr unterschiedliche Modelle gibt, so gibt es bei uns Menschen, bei uns Christen, auch verschiedene Exemplare. „Jeder Jeck ist anders“, so heißt es im „Kölschen Grundgesetz“. Und wir Menschen sind Rudeltiere. Das können wir momentan gut merken, weil wir unser Rudelverhalten nur eingeschränkt leben können, weil was Wesentliches fehlt: Die Gemeinschaft, das unmittelbare gegenseitige Teilnehmen am Leben der Anderen.
Warum also nicht mal über Schuhe philosophieren? Im Evangelium nach Lukas lesen wir:

‪“In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere Jünger aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.“ (Lk ‪10, 1)‬‬‬‬

Jesus schickt die Jünger nicht allein los, sondern zu zweit. Schuhe sind Rudeltiere. Christen sind auch Rudeltiere. Sie sind dazu bestimmt, in Gemeinschaft loszugehen durchs Leben: auf ausgetretene Pfade, auf Schotterwege, Autobahnen, Einbahnstraßen Sackgassen, Umleitungen, Feldwegen, Alleen, auf steile Aufstiege, Serpentinen, Tunnel, Kreuzungen, Weggabelungen, Spielstraßen, Rundwege, … Die Wege des Lebens sind sehr unterschiedlich und vielfältig, herausfordernd. Und nicht jeder Schuh passt zu jedem Weg. Da muss man schon schauen, was geht. In welchen Schuhen sind wir unterwegs? Wo führt der Weg hin? Wo kommt er her? Wie ist er beschaffen? Wie lange bin ich schon unterwegs? Wie lange will ich noch unterwegs sein? Wo ist das Ziel? Wie sieht es aus? Was motiviert mich, dahin zu wollen? Passt mir mein Schuh oder drückt er? Muss ich ihn eventuell sogar wechseln, damit ich weitergehen kann? Fragen um Fragen… vielleicht regen die Fragen sie an, darüber einmal nachzudenken: Mit welchem Rudel und in welchen Schuhen bin ich eigentlich auf welchen Wegen unterwegs?
Viel Spaß beim Nachdenken und vielleicht dem Gewinn von neuen Einsichten! 😉

© 20Sonja Rudolph20 Pastoralverbund Soest

Ihre Sonja Rudolph, Klinikseelsorgerin und Gemeindereferentin zu erreichen über E-Mail sonja.rudolph@pr-soest.de

 

 

10.06.05.2020: # Glück gehabt... 

 

 

 

 

 

 

Glück gehabt…

Am Wochenende konnten wir das Fest Dreifaltigkeit feiern. Stellen Sie sich mal vor, Sie müssten einem Menschen dieses Wort erklären? Nicht einfach, oder?  Vor genau dieser Frage stand allerdings bereits im 5. Jahrhundert ein Mann, der heute als Nationalheiliger von Irland gilt: St. Patrick. Die Legende beschreibt ihn als eifrigen, aber offenbar nicht unbedingt wortgewandten Missionar. Deshalb besann er sich wohl auf Vergleiche aus der Alltagswelt der Menschen, um ihnen das Christentum nahe zu bringen. Auf der grünen Insel fand er ein Kleeblatt. Er hob es auf, hielt es hoch und erklärte: So ist es mit der Dreifaltigkeit. Drei (einzelne) Blätter sind erkennbar, aber wir sehen, dass sie unzertrennlich sind.  Mir kam diese berühmte Geschichte in den Sinn, als ich die Idee hatte, zum Dreifaltigkeitstag die Kinder in die St. Christophoruskirche einzuladen.  Für uns ist das Kleeblatt in erster Linie zum Glückssymbol geworden. Doch – im Gegensatz zur Episode im Leben des Heiligen – müssen bei uns vier Blätter zählbar sein. Wie kann man nun den guten Gedanken des berühmten Iren, der übrigens später das Bischofsamt innehatte, mit unserem Glückszeichen in Verbindung bringen?  Deshalb habe ich mir selbst „erlaubt“, Patricks Bild einfach weiterzudenken:  Wenn es ein Blatt mehr gibt, für wen steht dieses Blatt dann?
Ich denke, das ist eine persönliche Frage, die nur jede / jeder für sich beantworten kann. Dazu möchte ich Sie gerne einladen und ermuntern, darüber mal in diesen Tagen nachzusinnen… Dennoch erzähle ich Ihnen auch mal von der Antwort, die ich mir gegeben habe. In meinen Augen symbolisiert dieser vierte Teil uns: die Menschen unserer Gemeinden in Soest – Möhnesee – Bad Sassendorf.  Glaube hat mit Communio (Gemeinschaft) zu tun. Gerade deshalb war es an sich „kein Zustand“, dass wir einige Wochen lang keine analogen Gottesdienste feiern konnten. Das Miteinander und Füreinander beten ist für uns wesentlich.   Dazu zähle ich auch das viele Mittun rund um unsere zahlreichen Kirchtürme: Menschen, die für das Gemeinwohl Sorge tragen, Menschen, die im Stillen ihren Dienst tun, Menschen, die in Gremien, Gruppen, Verbänden ein hohes Maß an Engagement zeigen …  Aus diesen vielfältigen Gründen habe ich auch den Titel „Glück gehabt…“ gewählt. Wir haben das Glück, in Gott einen fürsorglichen Vater, in Jesus einen liebenden Bruder und Lehrer, im Heiligen Geist eine mutmachende, stärkende Kraft zu haben. Aber wir haben zudem das Glück, gemeinsam unterwegs zu sein – in den guten wie in den schlechten Zeiten.
 
Bleiben Sie gesund!
 
 
Ihre Felicitas Hecker    Gemeindereferentin im PR Soest

Zu erreichen über Mail: felicitas.hecker@pr-soest.de oder Tel.: 02921 / 53614

 

03.06.05.2020: # Atme in uns Heiliger Geist - gerne auch über Pfingsten hinaus

 

Wolkenhimmel

 Atme in uns Heiliger Geist -

gerne auch über Pfingsten hinaus

 (Bild: pixabay.com)

Liebe Leserinnen und Leser eine Frage direkt zu Beginn:

Hat sich seit Pfingsten bei und vor allem in Ihnen etwas geändert?  Haben Sie IHN gespürt, den Heiligen Geist? Haben Sie SIE gespürt, die Heilige Geistkraft, die heilige ruach Gottes, die tröstet, befreit, ermutigt, durchweht, durchdringt, erneuert, durcheinanderwirbelt, herausfordert und atmet – in uns?

Nicht erst seit dem Pfingstwochenende erwische ich mich dabei, dass ich immer wieder leise den Refrain eines Liedes summe oder singe, sozusagen einen Ohrwurm habe. Sie ahnen es aufgrund des Titels schon längst. Ich meine das bekannte Lied (GL 346)

Atme in uns, Heiliger Geist, brenne in uns, Heiliger Geist,
                                                                                wirke in uns, Heiliger Geist. Atem Gottes komm!


Seit ein paar Tagen spüre ich, dass dieser Refrain mich mit etwas in Verbindung gebracht hat. Er hat mir so etwas wie ein `Ah! Erlebnis` geschenkt. Das kennen Sie doch bestimmt auch. Es geht innerlich ein Licht auf. Der Blick wird klarer und es entsteht das Gefühl für einen kurzen Augenblick `mehr` zu sehen und zu verstehen als vorher. Der Augenblick mag vergehen, das Erkennen, das Verstehen bleibt.
Das Wort des Liedrefrains, dass mich in Verbindung gebracht hat heißt: Atem!

Bei meinen geistlichen Begleitungen, bei seelsorglichen Gesprächen, in unterschiedlichsten pastoralen Aufgaben ist mir der Atem immer schon Anker. Im Atem verbunden bitte ich um die Kraft Gottes z.B., wenn mein Gegenüber bis ins Mark erschüttert ist und ich hoffe, in meinem Beistand das rechte Wort zu finden. Auch atme ich häufig drei Mal tief ein und aus, bevor ich eine Tür öffne, wissend, dass nun eine Begegnung ansteht, die nicht alltäglich ist.

Oder, uns allen vertraut ist sicherlich auch das erleichterte (Auf-) Atmen, nach einer angespannten Situation. Es geschieht häufig unbewusst, jedoch entspannt es sofort und unmittelbar.
Und dann gibt es ja noch dieses ganz tiefe Ein- und Ausatmen, wenn ein Sonnenaufgang, ein Tautropfen, das Stehen auf einem Berggipfel usw. usw. einem fast das Herz zerspringt lässt. Man sich innerlich nur verneigen möchte, weil diese Erfahrung, die einem fast den Atem raubt, uns zeitgleich mit ´Etwas` in Verbindung und in Berührung bringt: Gott! um und in uns, in diesem Moment, im Atem verbunden.
Der Liedrefrain hat mit neu entdecken lassen, dass dieses ja nicht nur zu den Gipfelerlebnissen unseres Lebens gehört. Nein, mitten im Alltag ist der Atem die ganz unmittelbare Verbindung zu Gott, zu Christus, zum Heiligen Geist, der da in uns atmet.

Und über Pfingsten hinaus?
Konkret will ich mal versuchen kleine Atemübungen in den Alltag zu integriert. Vielleicht haben Sie ja Freude mitzumachen. Einfach drei, vier Mal am Tag bewusst und achtsam ein- und auszuatmen. Das erdet und himmelt doch, sozusagen! Bringt in Verbindung mit dem Hier und Jetzt, mit dem Augenblick, der uns gerade geschenkt ist, in dem wir uns gerade bewegen, leben, atmen, sind.

JA! Vielleicht erfahren wir ja dann über Pfingsten hinaus -
Gottes Geist, der in uns atmet. Seine Gegenwart und Kraft hat Jesus uns zugesagt. Seinen Antrieb zu mutmachendem Aufbruch auch.

Ja, DICH ersehnen wir. Durchdringe, belebe und kehre ein. Gerne mit deiner Heiligkeit, deiner Wahrheit und deiner Liebe, du Heilige, in uns atmende Geistkraft. Die vereint, erfüllt und neu macht – über Pfingsten hinaus. Amen
Bleiben Sie gesund und behütet.

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Herzlichst
Ihre Martina Neuhaus,
Gemeindereferentin im PR Soest

Zu erreichen über Mail: martina.neuhaus@pr-soest.de
oder Tel. 02921 6710676

 

 

 

27.05.2020: # Habt keine Angst...! 

 

offizielles Totengedenkbild zur Beerdigung von J.P.IIIm Jahr 2020 feiert die Kirche den 100 Geburtstag des Heiligen Johannes Paul II. In seiner ersten Ansprache als neugewählter Papst und auch später an zentralen Stellen seines Pontifikates und im Besonderen bei den Welt-Jugendtagen hat er immer wieder diese Worte in das Zentrum seiner Botschaften und seiner Verkündigung gestellt. Als erster nicht italienischer Papst seit Jahrhunderten rief er am 22. 10. 1978 den Gläubigen auf dem Petersplatz, den Gläubigen Italiens und der ganzen Welt zu:

„Habt keine Angst! Öffnet – ja reißt die Tore weit auf für Christus! Öffnet die Grenzen der Staaten, die wirtschaftlichen und politischen Systeme, die weiten Bereiche der Kultur, der Zivilisation und des Fortschritts SEINER rettenden Macht! Habt keine Angst! Christus weiß, was im Inneren des Menschen ist, ER weiß alles!“

Wie aktuell sind doch diese Worte gerade in unsere Zeit hineingesprochen, wo durch Corona oft genau das Gegenteil von Öffnungen zur Erfahrung wird, wo Staaten sich wieder zurückziehen auf ihr …first; ja, wo selbst in Europa Grenz-Schlagbäume wieder hochgezogen wurden, obwohl im Schengen Abkommen die offenen Grenzen als Grundprinzip festgelegt wurden. Vorsicht aber eben auch Angst spielten dabei eine tragende Rolle.

Johannes Paul II. hatte selbst 2 totalitäre Systeme in seinem Leben erlebt und durchlitten. Er wusste genau, wie sehr Herrschaftssysteme Menschen mit Ängsten belegen können. Er hatte selbst erlebt, dass es vielfach die Angst war, die die Menschen kleingehalten hat – und vor allem sie daran gehindert hat, die Welt zum Guten zu gestalten. Johannes Paul II. kannte sie nur zu gut: die berechtigte Angst vor Verfolgung, Repression, Unterdrückung und Verhaftung. Und doch wusste er, diese Angst muss überwunden werden, weil sie den Menschen entstellt. Er beließ es daher auch nicht bei der schlichten Ankündigung, sondern zeigte einen Weg aus der Angst auf. Denn für ihn war ganz klar: Der letzte und tiefste Grund, warum wir keine Angst haben müssen, ist niemand anderes als Christus selbst. Er lebte diese Überzeugung, dass der, der sich in Christus festmacht, feststellen wird, dass er in allen Grenzsituationen von einer höheren Macht getragen ist. Entscheidend war für ihn, dass ich in meiner Angst auf Christus blicke und mich von IHM führen lasse. Und immer wieder verwies der Papst auf das Matthäusevangelium (14,22-33), auf Petrus, der auf dem Wasser auf Jesus zugeht, dessen Angst ihn untergehen lässt, der aber im Blick auf Jesus von diesem an die Hand gefasst aus dem Wasser gezogen wird.

Auf diese Weise hat Johannes Paul II., auch durch sein eigenes Leben, vielen Menschen Zeugnis von seiner Überzeugung gegeben. Er hat viele Menschen ermutigt, sich Jesus anzuvertrauen, um sich den Herausforderungen der jeweiligen Zeit zu stellen. Im Jahr 2000 rief er den Jugendlichen zu:

„Jugendliche (und Erwachsene) aller Kontinente: Habt keine Angst, die Heiligen des neuen Jahrtausends zu sein! Liebt das Gebet, lebt konsequent euren Glauben und seid großherzig im Dienst an den Schwestern und Brüdern. Seid aktive Glieder der Kirche und Mitgestalter der Hoffnung und des Friedens! Um dieses anspruchsvolle Lebensprojekt in die Tat umzusetzen, hört beständig auf SEIN Wort und schöpft Kraft aus den Sakramenten – vor allem aus der Eucharistie und der Buße. Der Herr möchte, dass ihr furchtlose Apostel Seines Evangeliums und Erbauer einer neuen Menschheit seid!“

Pfingsten, liebe Schwestern und Brüder, steht vor der Tür. Rufen wir den Himmel an, um die Gaben des Heiligen Geistes, damit auch wir unserer Berufung heute folgen und sie tatkräftig und überzeugend leben können. Der heilige Papst Johannes Paul II. kann auch uns heute Mut machen - und uns fürbittend zur Seite stehen.

(Bild: offizielles Totengedenkbild zur Beerdigung von J.P.II)

In herzlicher Verbundenheit wünsche ich Ihnen:

Bleiben Sie behütet!vanRaay.jpg

Ihr Pfr. Uwe van Raay
Tel: 02921-944 21 79
uwe.vanraay@pr-soest.de

 

 

 

 

24.05.2020: #Starke Frauen  

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vielleicht sind Sie am vergangenen Sonntag in unserer Heilig-Kreuz-Kirche dabei gewesen als eine Frau das Evangelium ausgelegt hat. Eine Premiere, denn Mechthild Wohter hat auf dem ersten bundesweiten Predigerinnentag in der katholischen Kirche ihre Gedanken zum Sonntagsevangelium mit uns geteilt. Zum Tag der Apostelin Junia organisierte der Bundesverband der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschland (kfd) eine bundesweite Aktion:


Deckengemälde in der Kathedrale San Rufino in Assisi

Privates Foto:
Dieses Bild habe ich bei meinem Besuch in der Kathedrale San Rufino in Assisi im letzten Herbst entdeckt. Es ist ein recht großes, zentrales und altes Deckengemälde in einer Seitenkapelle. Ich denke, es passt gut zu der Botschaft meines folgenden Textes. Maria, Klara von Assisi oder wer auch immer, auf jeden Fall eine Frau, hält Hostie und Kelch dem Himmel entgegen. Die lateinischen Worte sind der Anfang der 5.Strophe eines eucharistischen Hymnus, der von Thomas von Aquin in Auftrag von Papst Urban IV. für das damals neu eingeführte Fronleichnamsfest verfasst wurde. Deutsch übersetzt heißt es da: Darum lasst uns tief verehren ein so großes Sakrament (vgl. Kathpedia). Was auch immer der/die Künstlerin mit dem Gemälde ausdrücken wollte, Ihrer Interpretation sind keine Grenzen gesetzt.

 

 

 

12 Frauen. 12 Orte. 12 Predigten.

Soest durfte so ein Ort im großen Ganzen werden und Geschichte mitschreiben. Darauf können wir stolz sein.

Der Predigerinnentag soll auch als Beitrag zum Synodalen Weg gesehen werden, der sich mit der Frage von „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“ auseinandersetzt. Mit ihrer Teilnahme wollten die kfd-Frauen deutlich machen, dass sie unbeirrt ihrer Berufung folgen und ihre Forderung nach Geschlechtergerechtigkeit dorthin tragen, wo es an Gleichberechtigung bislang fehlt: In die katholischen Gotteshäuser und da insbesondere in die Feierformen unseres Glaubens.

Dass die Zahl 12 gewählt wurde, dürfte kein Zufall  gewesen sein. Angelehnt an die 12 Apostel Jesu drückt sie aus, dass es keinesfalls nur Männer waren, die ihm folgten. Die Bibel und die Geschichte der Kirche sind geprägt von starken Frauen. Meine Kollegin, Felicitas Hecker, hat in den vergangenen Pfarrnachrichten bereits von einer berichtet: Maria, der Gottesmutter.

Eindrucksvoll schilderte sie, welche tragende Rolle diese Frau für viele Frauen und Männer auch heute noch spielt. Hätte Maria sich nicht ohne Wenn und Aber ihrem Schicksal gefügt und die Botschaft des Engels Gabriel vorbehaltslos angenommen, dann gäbe es ihn nicht, unseren irdischen Jesus. Gottes Plan mit uns, seiner über alles geliebten Menschheit, wäre nicht aufgegangen. Keine Befreiung, kein Tilgen von Schuld und Sünde, keine Hoffnung über den Tod hinaus! Gott hätte ganz schön alt ausgesehen, wenn Maria Nein zu seinem Vorhaben gesagt und zu Gabriel nicht den entscheidenden Satz am Ende der Verkündigungsszene gesprochen hätte: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38).  Auf den Punkt gebracht: Unser allmächtiger Gott ist in diesem Falle abhängig von einer Frau. Allein Maria ist es, die die Menschwerdung Gottes durch ihr großes Vertrauen ermöglichte. Beeindruckend ja faszinierend zugleich, so würde ich  dieses bedingungslose Handeln beschreiben. Und von daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der Wonnemonat Mai ihr zu Ehren gewidmet ist.

Doch da gibt es im Leben Jesu und in der Geschichte der Kirche noch eine andere Maria: Maria Magdalena.

Keine neutestamentliche Figur steht so sehr für die Liebe zu Jesus und seiner Lehre, wie diese Frau. So zog sie mit nach Jerusalem. Sie war es, die nicht von Jesu Seite wich, ihn auf seinem Kreuzweg tapfer begleitete, der von Folterung, Qual, Schmerz und Leid geprägt war. Mit anderen Frauen beobachtete sie die Kreuzigung und wohnte dem Begräbnis bei. Kaum vorstellbar, welche Verzweiflung sie an diesen Tagen durchlebt haben muss. Fast schon überirdisch, was Maria Magdalena da geleistet hat. Nur zur Erinnerung: Die männlichen Jünger hatten aus Angst das sinkende Schiff beizeiten verlassen. Geflüchtet sind sie, versteckt haben sie sich. Keiner von ihnen – bis auf Johannes – stand unterm Kreuz, um den sterbenden Jesus zu begleiten. Um den Leichnam zu salben, kehrte Maria Magdalena am Ostermorgen zur Grabstelle zurück und entdeckte, dass diese leer war. Hier erschien ihr dann als Erste der Auferstandene. Sie persönlich und allein erhielt von Jesus Christus an dieser Stelle den Erstauftrag zur Verkündigung der Frohen Botschaft: „Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott“ (Joh 20,17).
Seit jeher fasziniert die Geschichte der Frau, die den Messias bis zum Ende seines irdischen Lebens und darüber hinaus begleitete. Maria Magdalena gehört zweifelsohne zu den bedeutendsten und dazu umstrittensten Frauen des Christentums, denn nicht nur ihr bewundernswerter Lebensweg, sondern auch die zahlreichen künstlerischen Rezeptionen vom frühen Mittelalter an bis heute sind einzigartig und spannend zugleich. Von der Jüngerin Jesu über die Darstellung als Sünderin und Prostituierte bis hin zu der Verehrung als „Apostelin der Apostel“ ist das Wirken der Maria aus Magdala schon vielseitig interpretiert worden. Letzterer Titel wird ihr zugesprochen, da sie als erste Auferstehungszeugin gilt.

Diese beiden eindrucksvollen Frauengestalten sollen nur als ein Beispiel von vielen gelten. Die Liste in der Bibel und in der Geschichte der Kirche ist lang: Mirjam, Rut, Debora, Abigail, Ester, Elisabeth von Thüringen, Hildegard von Bingen, Katharina von Bora, Theresa von Avila, Edith Stein, Madeleine Debrel, Mutter Theresa, Sr. Lea Ackermann…die Aufzählung könnte fast unendlich fortgeführt werden.
Was ist nun die Quintessenz?: Es braucht uns Frauen, ohne uns Frauen geht es nicht! Das zeigen die biblischen Frauen, die Frauen in der Geschichte der Kirche aber auch all die vielen Alltagsheldinnen in unserer heutigen Zeit. Hielten und halten sie nicht im wahrsten Sinne des Wortes den Laden mit am Laufen bzw. bringen ihn mit nach vorn? Und das in Gesellschaft, Wirtschaft, Kirche, Politik, Wissenschaft, Kunst und Kultur sowie in der Familie.

Am Schluss ist mir noch ein Gedanke wichtig: Es darf nie um ein „Frauen sind besser“ gehen! Die Balance zwischen den Geschlechtern muss gewahrt bleiben, das heißt, Geschlechtergerechtigkeit und Gleichberechtigung für beide Seiten.  Dabei geht es auch um die Begegnung von Frauen und Männern auf Augenhöhe, sich in Fähigkeiten und Fertigkeiten, in Stärken und Schwächen zum Wohle und im Dienste aller ergänzend. Welche schöne Vision und welch großer Gewinn, auch und gerade für die katholische Kirche!

Ihre Ute Paschedag
Gemeindeassistentin im Pastoralen Raum Soest

Zu erreichen unter: Telefon 02921/6710672 oder eMail ute.paschedag@pr-soest.de

 

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 © 2020 Pastoralverbund Soest
 
 
  https://pr-soest.de/images/Pastoralverbund/Impuls/2020-05-19-Fahrrad.jpgBild: FotoRieth / Pixabay.com
 
Gedanken zur Wochenmitte

 

 

„Die Fahrradspiritualität“

Es ist wieder Zeit für das Fahrradfahren.

Schönes Wetter läd ein, sich draußen auf den „Drahtesel“ zu schwingen und die Natur in Feld und Flur zu erkunden. Seit einigen Tagen geht mir der Gedanke der „Fahrradspiritualität“ durch den Kopf. Ich habe den Begriff entdeckt in einem Text von Madeleine Delbrel. Und so möchte ich das Bild vom Fahrrad als Bild für gelebtes Christentums interpretieren:


Fahrradfahren bedeutet Bewegung und zwar mit Hilfe von Kraft und Balance. Als Christen müssen wir auch in Bewegung bleiben und verbunden uns weiterentwickeln, denn sonst bleibt unser Glaube nicht lebendig. Das erfordert einiges an Anstrengung. Wichtig ist, dass man das Neue und das Alte auslotet und ein gutes Miteinander, ein Gleichgewicht herstellt.

Ohne Antrieb kein Fahrradfahren, es braucht die Muskelkraft oder im Glauben gedacht: die Begeisterung. Sonst kann so eine „Radtour“ eine richtige „Tortur“ werden und macht keine Freude.
Wenn es dann so läuft, dann lassen wir uns den Wind um die Nase pusten, vielleicht spüren wir etwas von Gottes Wind, dem Heiligen Geist…?

Bevor man aber so richtig gut Fahrradfahren kann, muss man es erst erlernen. Dazu braucht es Hilfestellungen, Stützräder, Menschen, die einem erstmal Halt und Stabilität geben. Auch im Glauben brauchen wir diese Hilfen: Ob es nun die Eltern sind, die entscheiden, ihre Kinder taufen zu lassen, ob es Menschen sind, die andere in ihrem Leben und damit auch in ihrem Glauben unterstützen und stärken. Glauben geht nicht allein, es braucht zunächst „Anschubser“. Und mit der Zeit kann es „meins“ werden, entdecke ich den Wert, den der Glaube für mein Leben haben kann.

Beim Fahrradfahren ist es wichtig, dass Luft im Reifen ist, denn mit einem „Platten“ lässt sich´s schlecht fahren. Einen platten Reifen bekommt mein Rad, wenn ich z. B. durch eine Scherbe fahre. Im Leben läuft auch nicht immer alles rund. Manchmal wird mein Glaube durch ein Ereignis, eine Krise, erschüttert, reißen schmerzvolle Erfahrungen wie eine Scherbe eine Wunde, ein Loch in unser Leben und in unseren Glauben. Das macht ihn im wahrsten Sinne des Wortes „kaputt“. Die Luft ist raus, es geht nicht mehr. Was hilft da? Ein Handwerker, der das Fahrrad wieder flott machen kann oder auf den Glauben bezogen: Menschen, die in Krisen da sind und einen unterstützen, so dass der Glaube im Leben und an das Leben wieder seinen Platz finden kann.

Wenn ich Fahrrad fahre, dann muss ich darauf achten, dass ich niemanden umfahre. Ich kann mit der Klingel auf mich aufmerksam machen. Das heißt, dass ich als Christ in einer Gesellschaft unterwegs bin, wo ich aufpassen muss, dass ich keinen überfahre. Ich kann auf mich aufmerksam machen, aber ich sollte nicht wie eine Dampfwalze durch die Gegend „brettern“. Ich muss mich an die Regeln im Straßenverkehr halten, ich muss mich an die Regeln des gesellschaftlichen Miteinanders halten.
Ach ja, das Wichtigste hätte ich fast vergessen. Wenn ich Fahrrad fahre, dann orientiere ich mich an Schildern, dann habe ich ein Ziel. Als Christ habe ich dieses Ziel auch: eine Fahrradtour durchs Leben, in der die christliche Botschaft der Wegweiser sein soll, hin zu einem Gott, der mich auch dann nicht im Stich lässt, wenn ich von meinem Fahrrad absteigen muss.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allzeit gute Fahrt durch den Alltag des Lebens, wie auch des Glaubens.

© 20Sonja Rudolph20 Pastoralverbund Soest

Ihre Sonja Rudolph, Klinikseelsorgerin und Gemeindereferentin zu erreichen über E-Mail sonja.rudolph@pr-soest.de

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